
Badstue-Kultur am Sørlandet
Sauna am Fjord: was die Norweger unter Kos verstehen.
Es gibt einen Moment, den jeder kennt, der bei norwegischem Wetter länger draußen war. Die Tür zur Sauna geht auf, die Hitze schlägt entgegen, und alles, was zehn Minuten vorher noch kalt und nass war, ist plötzlich vollkommen egal. Für dieses Gefühl gibt es in Norwegen ein eigenes Wort, und es lautet nicht Hygge, sondern Kos.
Dieser Guide handelt von der Badstue, wie die Sauna auf Norwegisch heißt, und von allem, was drumherum passiert. Woher die Tradition kommt, warum gerade jetzt im ganzen Land neue Saunen entstehen, wie ein Saunagang am Wasser abläuft und wo du das an der Südküste selbst erleben kannst. Zwei unserer Häuser in Spangereid stehen direkt am Fjord, beide mit Sauna.

Die Badstue ist älter, als die meisten denken
Badstuer sind in Norwegen seit der Zeit Olavs des Heiligen bekannt, also seit dem beginnenden 11. Jahrhundert. Das Store norske leksikon beschreibt die Badstue als ursprünglich einräumiges Gebäude, meist aus Stämmen errichtet, gebaut für genau einen Zweck. Im 12. Jahrhundert war das Baden verbreitet, danach geriet es unter wachsendem christlichem Einfluss nach und nach außer Gebrauch. Die letzten öffentlichen Bäder in Bergen schlossen im 17. Jahrhundert.
Zurück kam die Badstue über den Osten des Landes. Um 1600 wurde sie dort im Zuge der finnischen Einwanderung wieder als Badehaus eingeführt. Der eigentliche Wiederaufstieg kam allerdings erst im 20. Jahrhundert: In den 1930er Jahren erlebte das Saunabad in Norwegen eine Renaissance, wesentlich angestoßen vom Langläufer und Sauna-Verfechter Trygve Brodahl.
Warum gerade jetzt überall Saunen entstehen
Norwegen erlebt einen Sauna-Boom. Visit Norway beschreibt die heutige Kultur als naturnah, architektonisch ambitioniert und sozial zugänglich, also als etwas, das ausdrücklich für alle da ist und nicht für ein zahlendes Spa-Publikum. Als Gründe für den Wiederaufbau der Badstue-Kultur nennt die Tourismusorganisation neue Bauvorschriften, Gesundheits- und Wellnesstrends, den Tourismus, Saunarituale, den Wunsch nach Digital Detox und die Corona-Pandemie.
Am sichtbarsten wird das an den schwimmenden Saunen, die in den letzten Jahren immer beliebter geworden sind. In den meisten größeren Städten und an vielen touristischen Orten liegt inzwischen mindestens eine am Steg. Oslo ist die größte Fjord-Sauna-Stadt des Landes und hat mit Abstand die meisten davon. Trosten, eine Sauna der Osloer Badegesellschaft, schaffte es 2025 sogar auf die Liste der World's Greatest Places des Time Magazine. Eine Badstue am Wasser ist hier kein Luxusprodukt, sondern Alltag.
Kos, und was Wärme damit zu tun hat
Kos beschreibt das unmittelbare Glücksgefühl, das sich einstellt, wenn du es warm und bequem hast und gute Zeit mit anderen verbringst. Das Adjektiv dazu ist koselig, gemütlich. Norwegisch hat für diese eine Sache eine ganze Wortfamilie gebaut: innekos für drinnen, peiskos für den Platz am Kamin, kveldskos für den Abend, fredagskos für den Freitag. Wer ein Wort für Kamingemütlichkeit braucht, hat vermutlich viele Abende damit verbracht.
Das Gegenstück dazu heißt friluftsliv, wörtlich Freiluftleben. Der Begriff geht auf den Dramatiker Henrik Ibsen zurück, der ihn in den 1850er Jahren verwendete, um den Wert von Zeit in abgelegener Natur für Geist und Körper zu beschreiben. Friluftsliv kennt kein schlechtes Wetter und keine Saison, es ist in Norwegen die beliebteste Freizeitbeschäftigung überhaupt, und es ist eng mit Kos verbunden. Die Sauna am Fjord ist deshalb kein Widerspruch zum Draußensein, sondern seine zweite Hälfte.
Wie ein Saunagang am Wasser abläuft
Die Temperatur im Saunaraum liegt üblicherweise zwischen 55 und 70 Grad, kann aber deutlich höher gehen, bis über 100 Grad. Zu Beginn soll die Luft trocken sein. Während des Bades wird Wasser auf die Steine des Ofens gegossen, was stoßweise Dampf und eine kurzzeitig höhere Luftfeuchtigkeit erzeugt. Das ist der Aufguss, und er ist der Grund, warum sich dieselbe Gradzahl in zwei Saunen völlig unterschiedlich anfühlen kann.
Zu den Wirkungen lohnt sich Zurückhaltung. Das Store medisinske leksikon hält fest, dass manche die großen Temperaturschwankungen für abhärtend halten und annehmen, dass sie Müdigkeit und Muskelkater über eine bessere Durchblutung entgegenwirken. Als Annahme formuliert, nicht als Versprechen. Wer gesundheitliche Fragen hat, klärt sie vorher ärztlich.
Bleibt der Teil, der Gäste am meisten Überwindung kostet: das kalte Wasser danach. Visit Norway rät Einsteigern, im Herbst einfach nicht mit dem Baden aufzuhören, weil der Übergang von warm zu kalt dann von allein passiert. Dazu: Mütze, Handschuhe und Socken mitnehmen, der Kopf muss nicht unter Wasser. Eine Stelle mit Badeleiter suchen, damit du langsam hinein und schnell wieder heraus kommst. Etwas Heißes zu trinken bereitstellen. Und nie allein baden gehen.
Sauna am Sørlandet, in echt
An der Südküste kommt dir das Klima entgegen. An der Küste Süd- und Fjordnorwegens liegen die Wintertemperaturen auf Meereshöhe meist um null Grad, während es im Landesinneren deutlich kälter wird. Dank der milden Wassermassen des Golfstroms bleiben die Ufer meist schneefrei und die Fjorde eisfrei. Kalt genug für den Sprung, mild genug, um danach noch draußen zu sitzen.
Unsere beiden Häuser in Ramsland bei Spangereid liegen direkt am Wasser. Ramsland 8a bietet rund 100 Quadratmeter für bis zu acht Gäste ab 110 Euro pro Nacht, dazu eine neue Panoramasauna mit Fjordblick, die gemeinschaftlich mit den Nachbarhäusern der Anlage genutzt wird. Ramsland 2d ist mit rund 62 Quadratmetern der kompakte Gegenentwurf, bis zu sechs Gäste ab 80 Euro pro Nacht, mit einer neuen Fasssauna, ebenfalls mit Blick auf den Fjord und ebenfalls gemeinschaftlich genutzt. Beide Häuser haben einen eigenen Steg und ein Motorboot im Mietpreis, das vom 22. März bis zum 8. November bereitliegt.
Maritim 2 in Borhaug auf Lista hat keine Sauna, dafür einen Kaminofen im offenen Wohnbereich und Panoramafenster, hinter denen das Meer liegt. Fünf Schlafzimmer, bis zu neun Gäste, ab 150 Euro pro Nacht. Hunde sind in allen drei Häusern willkommen.
Und dann ist da Odrelia, unser Neubau bei Farsund. Es bekommt als einziges Haus eine eigene Sauna mit großer Panoramascheibe, direkt ans Haus angebaut, mit Blick auf den Fjord. Keine gemeinsame Anlage, nur ihr und die Aussicht. Odrelia wird ab Frühjahr 2027 buchbar sein, 115 Quadratmeter, drei Schlafzimmer, bis zu sechs Gäste. Wer zuerst Bescheid wissen will, trägt sich auf der Odrelia-Seite unverbindlich in die Warteliste ein.
Häufige Fragen
Badstue ist das norwegische Wort für Sauna. Ursprünglich bezeichnet es ein einräumiges Gebäude, meist aus Stämmen gebaut und allein für das Saunabad errichtet. Bekannt sind Badstuer in Norwegen seit der Zeit Olavs des Heiligen, also seit dem beginnenden 11. Jahrhundert. Die meisten heutigen Badstuer sind moderne Bauten in Bädern, Hotels, Privathäusern und Hütten.
Die Temperatur im Saunaraum liegt üblicherweise zwischen 55 und 70 Grad, kann aber deutlich höher gehen, bis über 100 Grad. Zu Beginn ist die Luft trocken. Erst der Aufguss auf die heißen Steine des Ofens erzeugt stoßweise Dampf und kurzzeitig höhere Luftfeuchtigkeit. Deshalb fühlt sich dieselbe Gradzahl in zwei Saunen sehr unterschiedlich an.
Ja. Unsere Häuser Ramsland 8a für bis zu acht Gäste ab 110 Euro pro Nacht und Ramsland 2d für bis zu sechs Gäste ab 80 Euro pro Nacht stehen in Spangereid direkt am Wasser. Ramsland 8a hat eine Panoramasauna, Ramsland 2d eine Fasssauna, beide mit Fjordblick und gemeinschaftlich mit den Nachbarhäusern genutzt. Ab Frühjahr 2027 kommt Odrelia mit eigener Panorama-Sauna dazu.
An der Südküste bleiben die Fjorde dank des Golfstroms in der Regel eisfrei, Baden ist also ganzjährig möglich. Visit Norway rät Einsteigern, im Herbst einfach weiterzubaden, damit der Übergang allmählich passiert. Mütze, Handschuhe und Socken helfen, der Kopf muss nicht unter Wasser, eine Badeleiter erleichtert den Ausstieg. Geh nie allein baden und halte etwas Heißes zu trinken bereit.
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